Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen



– Oscar Wild –

Mit dem Moment, in dem einem Sprachanfänger die Aussage von Oscar Wild verstanden hat, muss er anfangen zu lachen. Auch ein Muttersprachler kann zu mindestens ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Das mag vielleicht an der Tatsache liegen, dass man nie auslernt. Gleichzeitig würde das aber auch bedeuten, dass der Spruch von Oscar Wild ebenso auf alle anderen Sprachen zutrifft. Trotzdem tun sich viele Sprachanfänger schwer mit der deutschen Grammatik und dem Satzbau. Nicht ohne Grund genießt der Spruch große Popularität.

Auch ich kenne den Spruch von Mr. Wild, ebenso seine Bedeutung, nur allzu gut. Mittlerweile lebe ich schon 3 Monate als Student in Karlsruhe und versuche fieberhaft Deutsch zu lernen. Dabei ist es viel einfacher als gedacht. Der Erfolg liegt im Dialekt. Nach vielen Stunden des Lernens und Übens habe ich einen Fuß in der Tür und fühle mich sicher genug, um auf die regionalen Sprachunterschiede zu achten. Trotz allem, werde ich wohl nie meine Muttersprache ablegen können und wie ein Deutscher klingen, aber das muss ich auch nicht! Es reicht schon aus, wenn ich ein paar Wörter wie Prost, Servus, was’n oder digga richtig anwenden kann.

Aus dem Grund habe ich einige meiner Lieblingswörter aufgelistet und versucht zu erklären.

Genau

Kein Slangwort; aber so oft benutzt und so allgemein, dass man das wirklich wissen muss. Hast du Probleme deine deutsche Freunde zu verstehen? Hat dich eine Verkäuferin etwas im Geschäft gefragt und du hast keine Ahnung was das war? Hast du die Frage verstanden aber hast keine Lust zu antworten? Genau ist die Antwort.

Hast du Lust jeden Satz mit genau zu beginnen? Bitte schön!

Willst du dein ja stärken? Ja genau!

Man kann wirklich auf fast alles damit antworten und es scheint, als wäre das oft alles was die Deutschen von dir erwarten. Die englische Übersetzung exactly erfasst gar nicht die Schönheit oder das Ausmaß des deutschen Äquivalents.

Willst du wie ein echter Deutscher klingeln? Vergiss das langweilige ja, benutze ab jetzt – genau – so oft wie möglich! Ein paar Beispiele:

 

A: Das war ein echt schwerer Test.

B: Genau!

 

A: Genau, das ist sehr interessant!

B: Ja genau, das sagte ich.

 

A: Ich bin so ein Genie!

B: Genau.. (meint es ironisch)

was (etwas)

Wir alle brauchen something irgendwann. Egal, ob uns etwas passiert oder wir etwas kaufen wollen. Wenn man aber in Deutschland ist, benutzt man meist das eigentlich etwas nicht. Das ist doch super uncool. Was, die verkürzte Version von etwas ist das Wort to-know.

Manchmal benutzt man was auch statt ein bischen. Also jetzt, wo du das weißt, nutze schnell sein Potenzial!

 

Ah, du gehst einkaufen? Bring mir was, bitte.

Hast du heute gelernt? Na ja, ich habe was gemacht aber ich bin nicht zufrieden.

Wir haben noch was Zucker. Wir könnten heute backen.

Hast du noch was Zeit? Dann können wir noch was trinken.

ich hab (ich habe)

Erinnerst du dich an all die Stunden in denen du die haben-Konjugationen gelernt hast? Schön, du bist ein fleißiger Mensch. Ich habe aber eine Nachricht für dich. So bald wie möglich vergiss ich habe zu benutzen. Normalerweiße sagt man nur kurz ich hab. Einfach, hm? Obwohl du auf jeden Fall hochdeutsch sprechen darfst, könnte dir diese Kleinigkeit helfen “deutscher” zu sein. Vielleicht hast du Probleme mit der Grammatik—also warum nicht zumindest die einfachen Sätze wie ein Deutscher sagen?

Tschau

Klingt ein bisschen italienisch, nich war? Natürlich. Ein Muss statt Tschüss, zumindest in Baden-Württenberg, aber wahrscheinlich auch in anderen süddeutschen Gebieten und der Schweiz. Ich denke, dass Tschau öfter familiär benutzt wird, also unter Freunden, aber ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass ich von unbekannten Leuten so verabschiedet wurde.

 

Also dann, tschau!

Tschau, bis morgen!

 

[auch z.B. am Telefon als Beendigung]

Halt, ja, eigentlich, etc.

Dies ist keine Umgangssprache, aber ich muss diese wunderbaren Wörtchen erwähnen. Der Grammatik Begriff (für relativ Fortgeschrittene) heißt “Modalpartikel”. Das ist aber nicht wichtig. Ich möchte dich, der du mit Deutsch beginnst, nur darauf aufmerksam machen, dass du die Wörter oft hören wirst. Obwohl die meisten keinen eigenen Sinn haben bzw. manchmal auch die Bedeutung ändern. Wenn du ein paar davon lernst und zumindest ein bisschen auch verstehst, wie man sie benutzt (schwer zu sagen, ob es möglich bist – siehe Anfang des Artikels), wirst du super cool (und voll deutsch!) klingen. Na ja, aber das braucht Zeit.

Allerdings zum Beispiel eigentlich benutzt man immer, wahrscheinlich auch ohne einen tieferen Grund. Und wenn du dich in Baden befindest, sag oft halt (entspricht etwa dem englischen like). Egal in was für eine Situation, in 99% der Fälle wird das gut klingen.

 

Ich wollte das eigentlich machen.

Eigentlich ist das kein Problem.

Das war halt schön.

Ich hab ihm das halt gesagt.

Ich hab ja nix zu verlieren.

Ja eigentlich wars halt zu lang das Referat.

Meinungen und Anregungen zu meinem Artikel sind gerne willkommen, egal ob von anderen Ausländern oder von euch meinen deutschen Freunden!

Also so ist es zumindest, wie ich als Ausländer das sehe.

Hinweis: Der Inhalt des Artikels entspricht nicht unbedingt jedermanns Realität. Er spiegelt lediglich die Meinung eines ausländischen Studentens wider, der derzeit in Karlsruhe studiert. Vielleicht hilft der Artikel ein paar Leuten die deutsch lernen oder lässt die Deutschen schmunzeln. Beides ist willkommen :) AufDeutschBitte.de

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